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Ablaufverfolgung und Instrumentieren von Anwendungen

Hinweis

Dieser Artikel gilt für das .NET Framework. Er gilt nicht für neuere Implementierungen von .NET, einschließlich .NET 6 und höherer Versionen.

Die Ablaufverfolgung ist eine Möglichkeit, die Ausführung der Anwendung zu überwachen, während sie ausgeführt wird. Beim Entwickeln können Sie eine .NET Framework-Anwendung mit einer Ablaufverfolgungs- und Debugginginstrumentierung versehen, die sowohl beim Entwickeln als auch nach der Bereitstellung der Anwendung eingesetzt werden kann. Mit den Klassen System.Diagnostics.Trace, System.Diagnostics.Debug und System.Diagnostics.TraceSource können Sie Informationen zu Fehlern und zur Anwendungsausführung in Protokollen, Textdateien oder auf anderen Medien für eine spätere Analyse aufzeichnen.

Der Begriff Instrumentierung bezeichnet die Fähigkeit, die Leistung eines Produkts zu überwachen oder zu messen und Fehler zu diagnostizieren. In der Programmierung versteht man darunter die Fähigkeit eines Programms, folgende Funktionen zu bieten:

  • Codeablaufverfolgung: Erhalten informativer Meldungen über die Ausführung einer Anwendung zur Laufzeit.

  • Debuggen: Ermitteln und Beheben von Programmierfehlern in einer Anwendung während der Entwicklungsphase. Weitere Informationen finden Sie unter Debuggen.

  • Leistungsindikatoren: Komponenten zur Ermittlung der Anwendungsleistung. Weitere Informationen finden Sie unter Performance Counters.

  • Ereignisprotokolle: Komponenten, mit denen wichtige Ereignisse während der Anwendungsausführung erhalten und nachverfolgt werden können. Weitere Informationen finden Sie in den Ausführungen zur EventLog-Klasse.

Das Instrumentieren einer Anwendung durch Platzieren von Ablaufverfolgungsanweisungen an strategischen Codestellen ist vor allem bei verteilten Anwendungen nützlich. Mithilfe von Ablaufverfolgungsanweisungen können Sie eine Anwendung so instrumentieren, dass nicht nur Informationen zu Fehlern angezeigt werden, sondern auch die Leistung der Anwendung überwacht wird.

Die TraceSource-Klasse stellt erweiterte Funktionen zur Ablaufverfolgung bereit und kann anstelle der statischen Methoden der älteren Ablaufverfolgungsklassen Trace und Debug verwendet werden. Die vertrauten Klassen Trace und Debug werden weiterhin häufig verwendet, aber die TraceSource-Klasse wird für neue Ablaufverfolgungsbefehle, z. B. TraceEvent und TraceData, empfohlen.

Die Trace-Klasse und die Debug-Klasse unterscheiden sich nur in einem Punkt: Die Prozeduren und Funktionen der Trace-Klasse werden standardmäßig in Releasebuilds kompiliert, die der Debug-Klasse nicht.

Die Trace-Klasse und die Debug-Klasse ermöglichen während der Entwicklung oder nach der Bereitstellung die Überwachung und Überprüfung der Anwendungsleistung. Sie können beispielsweise die Trace-Klasse verwenden, um bestimmte Typen von Aktionen in einer bereitgestellten Anwendung nachzuverfolgen, während diese auftreten (z. B. die Erstellung neuer Datenbankverbindungen), und somit die Effizienz der Anwendung überwachen.

Ablaufverfolgung und Debuggen von Code

Während der Entwicklung können Sie die Ausgabemethoden der Debug-Klasse verwenden, um Meldungen im Ausgabefenster der integrierten Entwicklungsumgebung (IDE) von Visual Studio anzuzeigen. Beispiel:

Trace.WriteLine("Hello World!")
Debug.WriteLine("Hello World!")
System.Diagnostics.Trace.WriteLine("Hello World!");
System.Diagnostics.Debug.WriteLine("Hello World!");

Jedes dieser Beispiele gibt "Hello World!" im Ausgabefenster aus, wenn die Anwendung im Debugger ausgeführt wird.

So können Sie Anwendungen anhand ihres Verhaltens in der Testumgebung debuggen und ihre Leistung optimieren. Sie können die Anwendung im Debugbuild mit aktiviertem bedingtem Debug-Attribut debuggen, sodass Sie die gesamte Debugausgabe erhalten. Wenn die Anwendung zur Freigabe bereit ist, können Sie den Releasebuild kompilieren, ohne das bedingte Debug-Attribut zu aktivieren, damit der Compiler nicht den Debugcode in die endgültige ausführbare Version aufnimmt. Weitere Informationen finden Sie unter Vorgehensweise: Bedingtes Kompilieren mit Ablaufverfolgung und Debuggen. Weitere Informationen zu verschiedenen Buildkonfigurationen für die Anwendung finden Sie unter Kompilieren und Erstellen.

Mit den Methoden der Trace-Klasse können Sie die Codeausführung auch in einer installierten Anwendung verfolgen. Durch die Platzierung von Ablaufverfolgungsschaltern in Ihrem Code können Sie steuern, ob und in welchem Umfang Ablaufverfolgung durchgeführt wird. Auf diese Weise können Sie den Status der Anwendung in einer Produktionsumgebung überwachen. Dies ist besonders wichtig in einer Geschäftsanwendung, die mehrere Komponenten auf mehreren Computern verwendet. Über die Konfigurationsdatei steuern Sie die Verwendung der Schalter nach der Bereitstellung. Weitere Informationen finden Sie unter Vorgehensweise: Erstellen, Initialisieren und Konfigurieren von Ablaufverfolgungsschaltern.

Beim Entwickeln einer Anwendung, in der Ablaufverfolgung möglich sein soll, werden in der Regel Verfolgungs- und Debugmeldungen in den Anwendungscode eingetragen. Wenn die Anwendung die Bereitstellungsphase erreicht hat, können Sie den Releasebuild kompilieren, ohne das bedingte Debuggen-Attribut zu aktivieren. Sie können jedoch das bedingte Attribut Ablaufverfolgung aktivieren, damit der Compiler den Ablaufverfolgungscode in die ausführbare Datei einträgt. Weitere Informationen finden Sie unter Vorgehensweise: Bedingtes Kompilieren mit Ablaufverfolgung und Debuggen.

Phasen der Codeablaufverfolgung

Die Codeablaufverfolgung umfasst die folgenden drei Phasen:

  1. Instrumentation: Der Verfolgungscode wird der Anwendung hinzugefügt.

  2. Ablaufverfolgung: Der Verfolgungscode schreibt Informationen in das angegebene Ziel.

  3. Analyse: Die Ablaufverfolgungsinformationen werden ausgewertet, um Probleme in der Anwendung zu ermitteln und zu verstehen.

Während der Entwicklung schreiben alle Debug- und Ablaufverfolgungsausgabemethoden standardmäßig Informationen in das Ausgabefenster in Visual Studio. In einer bereitgestellten Anwendung schreiben die Methoden die Ablaufverfolgungsinformationen in die von Ihnen angegebenen Ziele. Weitere Informationen zum Festlegen eines Ausgabeziels für die Ablaufverfolgung oder das Debuggen finden Sie unter Ablaufverfolgungslistener.

Im Folgenden finden Sie einen allgemeinen Überblick über die wichtigsten Schritte, die normalerweise bei der Analyse und Behebung potenzieller Probleme in bereitgestellten Anwendungen mithilfe der Ablaufverfolgung durchzuführen sind. Weitere Informationen zur Durchführung dieser Schritte finden Sie unter dem entsprechenden Link.

So verwenden Sie die Ablaufverfolgung in einer Anwendung
  1. Überlegen Sie, welche Ablaufverfolgungsausgabe nach der Bereitstellung der Anwendung an ihrem Einsatzort benötigt wird.

  2. Erstellen Sie eine Reihe von Schaltern. Weitere Informationen finden Sie unter Vorgehensweise: Konfigurieren von Ablaufverfolgungsschaltern.

  3. Fügen Sie die Ablaufverfolgungsanweisungen zum Anwendungscode hinzu.

  4. Bestimmen Sie, wo die Ablaufverfolgungsausgabe angezeigt werden soll, und fügen Sie die entsprechenden Listener hinzu. Weitere Informationen finden Sie unter Erstellen und Initialisieren von Ablaufverfolgungslistenern.

  5. Testen und debuggen Sie die Anwendung und den darin enthaltenen Ablaufverfolgungscode.

  6. Kompilieren Sie die Anwendung mit einem der folgenden Verfahren in ausführbaren Code:

    • Verwenden Sie das Menü Erstellen zusammen mit der Seite Debuggen im Dialogfeld Eigenschaftenseite im Projektmappen-Explorer. Dies gilt für die Kompilierung in Visual Studio.

      - oder -

    • Verwenden Sie für die Kompilierung der Befehlszeile die Compileranweisungen Ablaufverfolgung und Debuggen. Weitere Informationen finden Sie unter Bedingtes Kompilieren mit Ablaufverfolgung und Debuggen. Dies gilt für die Kompilierung von der Befehlszeile aus.

  7. Aktivieren Sie den entsprechenden Ablaufverfolgungsschalter, wenn zur Laufzeit ein Problem auftritt. Weitere Informationen finden Sie unter Konfigurieren von Ablaufverfolgungsschaltern.

    Der Ablaufverfolgungscode schreibt Ablaufverfolgungsmeldungen in ein angegebenes Ziel, z. B. einen Bildschirm, eine Textdatei oder ein Ereignisprotokoll. Das Ziel wird durch den Typ des in der Trace.Listeners-Auflistung eingetragenen Listeners bestimmt.

  8. Analysieren Sie die Ablaufverfolgungsmeldungen, um das Problem in der Anwendung zu ermitteln und zu verstehen.

Instrumentation der Ablaufverfolgung und verteilte Anwendungen

Beim Erstellen einer verteilten Anwendung ist es in der Regel schwierig, die Anwendung in der Weise zu testen, in der sie letzten Endes verwendet wird. Wenige Entwicklungsteams haben die Möglichkeit, alle möglichen Kombinationen aus Betriebsystemen oder Webbrowsern (einschließlich aller lokalisierten Sprachoptionen) zu testen oder die hohe Zahl von Benutzern zu simulieren, die gleichzeitig auf die Anwendung zugreifen. Unter diesen Umständen können Sie die Reaktion einer verteilten Anwendung auf hohes Datenaufkommen, verschiedene Setups und individuelles Endbenutzerverhalten nicht testen. Außerdem haben viele Teile einer verteilten Anwendung keine Benutzeroberfläche, über die Sie direkt mit diesen Teilen interagieren oder ihre Aktivitäten anzeigen lassen könnten.

Dieser Umstand lässt sich ausgleichen, indem verteilte Anwendungen mit Funktionalität versehen werden, um bestimmte wichtige Ereignisse, insbesondere auftretende Fehler, für die Systemadministratoren zu beschreiben. Bei dieser sogenannten Instrumentation werden Ablaufverfolgungsanweisungen an strategischen Stellen im Code platziert. Dadurch können Sie, wenn zur Laufzeit unerwartete Vorkommnisse auftreten (z. B. extrem langsame Reaktionszeit), die wahrscheinliche Ursache ermitteln.

Mit Ablaufverfolgungsanweisungen können Sie die schwierige Aufgabe vermeiden, den ursprünglichen Quellcode überprüfen, bearbeiten, neu kompilieren und den Laufzeitfehler in der Debugumgebung reproduzieren zu müssen. Beachten Sie, dass sich eine Anwendung nicht nur für die Anzeige von Fehlern, sondern auch für die Leistungsüberwachung instrumentieren lässt.

Strategische Platzierung von Ablaufverfolgungsanweisungen

Ablaufverfolgungsanweisungen, die zur Laufzeit eingesetzt werden sollen, müssen mit äußerster Sorgfalt platziert werden. Überlegen Sie, welche Ablaufverfolgungsinformationen in einer bereitgestellten Anwendung wahrscheinlich benötigt werden, damit alle Möglichkeiten der Ablaufverfolgung entsprechend abgedeckt werden. Allerdings gibt es keine allgemeingültigen Richtlinien für die strategische Platzierung der Ablaufverfolgung, da die Anwendungen, in denen sie eingesetzt wird, sehr vielfältig sind. Weitere Informationen zur Platzierung von Ablaufverfolgungsanweisungen finden Sie unter Vorgehensweise: Hinzufügen von Ablaufverfolgungsanweisungen zu Anwendungscode.

Ausgabe der Ablaufverfolgung

Die Ausgabe einer Ablaufverfolgung wird von als Listener bezeichneten Objekten aufgenommen. Bei einem Listener handelt es sich um ein Objekt, das die Ablaufverfolgungsausgabe empfängt und in ein Ausgabemedium schreibt (in der Regel ein Fenster, ein Protokoll oder eine Textdatei). Wenn ein Ablaufverfolgungslistener erstellt wird, wird er in der Regel zur Trace.Listeners-Auflistung hinzugefügt, damit er die gesamte Ablaufverfolgungsausgabe empfängt.

Ablaufverfolgungsinformationen werden immer wenigstens an das standardmäßige Trace-Ausgabeziel, den DefaultTraceListener, geschrieben. Wenn Sie den DefaultTraceListener aus irgendeinem Grund gelöscht haben, ohne andere Listener zur Listeners-Auflistung hinzuzufügen, erhalten Sie keine Ablaufverfolgungsmeldungen. Weitere Informationen finden Sie unter Ablaufverfolgungslistener.

Die sechs Debug-Member und Trace-Methoden, die Ablaufverfolgungsinformationen schreiben, sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.

Methode Ausgabe
Assert Der angegebene Text oder, falls keiner angegeben ist, die Aufrufliste. Die Ausgabe wird nur geschrieben, wenn die als Argument in der Assert-Anweisung angegebene Bedingung FALSE ist.
Fail Der angegebene Text oder, falls keiner angegeben ist, die Aufrufliste.
Write Der angegebene Text.
WriteIf Der angegebene Text, wenn die als Argument in der WriteIf-Anweisung angegebene Bedingung erfüllt ist.
WriteLine Der angegebene Text und ein Wagenrücklaufzeichen.
WriteLineIf Der angegebene Text und ein Wagenrücklaufzeichen, wenn die als Argument in der WriteLineIf-Anweisung angegebene Bedingung erfüllt ist.

Alle Listener in der Listeners-Auflistung empfangen die Meldungen, die in der obigen Tabelle beschrieben sind, doch können die ausgeführten Aktionen variieren, je nachdem, welche Art von Listener die Meldung empfängt. Beispielsweise zeigt DefaultTraceListener ein Dialogfeld zur Assertion an, wenn er eine Benachrichtigung über einen Fail oder fehlgeschlagenen Assert empfängt, wohingegen TextWriterTraceListener lediglich die Ausgabe in seinen Stream schreibt.

Durch Implementieren eines eigenen Listeners können Sie benutzerdefinierte Ergebnisse erzielen. Ein benutzerdefinierter Ablaufverfolgungslistener könnte die Meldungen z. B. in einem Meldungsfeld anzeigen oder die Verbindung zu einer Datenbank herstellen, in der die Meldungen zu einer Tabelle hinzugefügt werden. Alle benutzerdefinierten Listener sollten die sechs oben genannten Methoden unterstützen. Weitere Informationen zum Erstellen entwicklerdefinierter Listener finden Sie unter TraceListener in der Referenz zu .NET Framework.

Die Methoden Write und WriteLine schreiben immer den von Ihnen angegebenen Text. Assert, WriteIf und WriteLineIf erfordern ein boolesches Argument, das steuert, ob der angegebene Text geschrieben wird oder nicht. Der angegebene Text wird nur geschrieben, wenn der Ausdruck TRUE (bei WriteIf und WriteLineIf) oder FALSE (bei Assert) lautet. Die Fail-Methode schreibt immer den angegebenen Text. Weitere Informationen finden Sie unter Vorgehensweise: Hinzufügen von Ablaufverfolgungsanweisungen zu Anwendungscode und in der .NET Framework-Referenz.

Sicherheitsaspekte

Wenn Sie vor der Bereitstellung einer ASP.NET-Anwendung nicht die Ablaufverfolgung und das Debuggen deaktivieren, könnte die Anwendung Informationen über sich selbst offen legen, die von böswilligen Programmen missbraucht werden könnten. Weitere Informationen finden Sie unter Vorgehensweise: Bedingtes Kompilieren mit Ablaufverfolgung und Debuggen, Kompilieren und Erstellen und Vorgehensweise: Erstellen, Initialisieren und Konfigurieren von Ablaufverfolgungsschaltern. Das Debuggen kann auch über Internetinformationendienste (IIS) konfiguriert werden.

Siehe auch