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Websitepostfächer in Microsoft Exchange 2013

Gilt für: Exchange Server 2013

E-Mails und Dokumente werden herkömmlicherweise in zwei voneinander getrennten Datenrepositorys gespeichert. Die meisten Organisationen arbeiten über beide Medien zusammen. Die Herausforderung liegt darin, dass auf E-Mails und Dokumente mit unterschiedlichen Clients zugegriffen wird. Dies reduziert üblicherweise sowohl die Benutzerfreundlichkeit als auch die Benutzerproduktivität.

Das Websitepostfach ist ein neues Konzept in Microsoft Exchange 2013, das versucht, dieses Problem zu lösen. Websitepostfächer verbessern die Zusammenarbeit und Benutzerproduktivität, indem sie den Zugriff auf Microsoft SharePoint 2013-Dokumente und Exchange-E-Mails über die gleiche Clientschnittstelle ermöglichen. Ein Websitepostfach umfasst eine Mitgliedschaft in einer SharePoint 2013-Website (Besitzer und Mitglieder), gemeinsam genutzten Speicher in einem Exchange 2013-Postfach für E-Mails und einer SharePoint 2013-Website für Dokumente, sowie eine Verwaltungsschnittstelle für die Bereitstellungs- und Lebenszyklusanforderungen.

Websitepostfächer erfordern die Integration und Konfiguration von Exchange 2013 und SharePoint Server 2013. Weitere Informationen dazu, wie Sie Ihre Exchange 2013-Organisation für die Zusammenarbeit mit Ihrer SharePoint Server 2013-Organisation konfigurieren, finden Sie in den folgenden Themen:

Weitere Informationen zu den Zusammenarbeitsfunktionen in Exchange Server 2013 finden Sie unter Zusammenarbeit.

Wie funktionieren Websitepostfächer?

Wenn ein Mitglied einer Projektgruppe E-Mails oder Dokumente im Websitepostfach speichert, kann jedes andere Mitglied der Projektgruppe auf diese Inhalte zugreifen. Websitepostfächer sind in Outlook 2013 sichtbar und ermöglichen Benutzern den einfachen Zugriff auf E-Mails und Dokumenten zu den Projekten, die sie bearbeiten. Außerdem kann auf diesen Inhalt direkt über die SharePoint-Website zugegriffen werden. In Websitepostfächern wird der Inhalt an der richtigen Stelle gespeichert. Exchange speichert die E-Mail, sodass Benutzer dieselbe Nachrichtenansicht für E-Mail-Unterhaltungen angezeigt wird, die sie tagtäglich für ihre eigenen Postfächer verwenden. SharePoint speichert die Dokumente und ermöglicht eine gemeinsame Dokumenterstellung sowie Versionsverwaltung. Exchange synchronisiert genügend Metadaten aus SharePoint, um die Dokumentansicht in Outlook zu erstellen (z. B. Dokumenttitel, Datum der letzten Änderung, Autor der letzten Änderung, Größe).

Diagramm zu Speicher und Nutzung von Websitepostfächern.

Bereitstellungsrichtlinien für Websitepostfächer

Mithilfe des Cmdlets SiteMailboxProvisioningPolicy in der Exchange-Verwaltungsshell können Kontingente für Websitepostfächer festgelegt werden. Die Bereitstellungsrichtlinien für Websitepostfächer gelten für nur E-Mails, die an das Websitepostfach und von dem Websitepostfach gesendet werden, sowie für die Größe des Websitepostfachs auf dem Exchange-Server. Die Einstellungen für das Dokumentrepository werden in SharePoint konfiguriert. Wenngleich Sie mithilfe des Cmdlets New-SiteMailboxProvisioningPolicy mehrere Bereitstellungsrichtlinien für Websitepostfächer erstellen können, wird nur die standardmäßige Bereitstellungsrichtlinie auf alle Websitepostfächer angewendet. Sie können nicht mehrere Richtlinien in Ihrem Unternehmen anwenden. Mithilfe von Bereitstellungsrichtlinien können Sie die folgenden Kontingente festlegen:

Quota Beschreibung Standardeinstellung
IssueWarningQuota Der Parameter IssueWarningQuota gibt die Größe des Websitepostfachs an, die eine Warnmeldung für das Websitepostfach auslöst. 4,5 GB
MaxReceiveSize Der Parameter MaxReceiveSize gibt die maximale Größe von E-Mail-Nachrichten an, die vom Websitepostfach empfangen werden können. 36 MB
ProhibitSendReceiveQuota Der Parameter ProhibitSendReceiveQuota gibt die Größe an, mit der das Websitepostfach keine Nachrichten mehr senden oder empfangen kann. 5 GB

Weitere Informationen dazu, wie Sie die Bereitstellungsrichtlinien für ein Websitepostfach konfigurieren, finden Sie unter Verwalten von Bereitstellungsrichtlinien für Websitepostfächer.

Lebenszyklusrichtlinien und Aufbewahrung

Der Lebenszyklus eines Websitepostfachs wird über eine SharePoint-Website verwaltet. Über diese SharePoint-Website sollten Sie alle Aufgaben in Bezug auf Websitepostfächer verwalten, wie z. B. die Erstellung und Entfernung eines Websitepostfachs. Darüber hinaus können Sie in der SharePoint-Website eine Lebenszyklusrichtlinie erstellen, um den Lebenszyklus eines Websitepostfachs zu verwalten. Sie können z. B. in SharePoint eine Lebenszyklusrichtlinie erstellen, die alle Websitepostfächer automatisch nach 6 Monaten schließt. Wenn ein Benutzer ein solches Websitepostfach weiterhin nutzen möchten, kann er das Postfach über SharePoint erneut aktivieren. Es empfiehlt sich, die Lebenszyklusanwendung in der Farm zu verwenden. Durch manuelles Löschen aktiver Websitepostfächer aus Exchange entstehen verwaiste Websitepostfächer.

Wenn eine Lebenszyklusanwendung in SharePoint ein Websitepostfach schließt, wird dieses Postfach so lange im geschlossenen Status beibehalten, wie in der Lebenszyklusrichtlinie angegeben. Das Postfach kann dann von einem Endbenutzer oder einem Administrator aus SharePoint reaktiviert werden. Nach Ablauf des Aufbewahrungszeitraums wird dem Namen des Exchange-Websitepostfachs, das in der Postfachdatenbank gespeichert ist, die Zeichenfolge MDEL: vorangestellt: um anzugeben, dass es zum Löschen markiert wurde. Sie müssen diese Websitepostfächer manuell aus der Postfachdatenbank entfernen, um den Speicherplatz und den Aliasnamen freizugeben. Wenn Sie keine SharePoint-Lebenszyklusrichtlinie eingerichtet haben, können Sie nicht bestimmen, welche Websitepostfächer zum Löschen markiert sind. Sofern das Websitepostfach nicht durch einen Administrator entfernt wurde, lässt sich der Postfachinhalt weiterhin wiederherstellen.

Mit folgendem Befehl können Sie nach Websitepostfächern suchen, die zum Löschen markiert wurden, und diese entfernen.

Get-Mailbox MDEL:* | ?{$_.RecipientTypeDetails -eq "TeamMailbox"} | Remove-Mailbox -Confirm:$false

Websitepostfächer unterstützen keine Aufbewahrung auf Elementebene. Die Aufbewahrung für Websitepostfächer funktioniert auf Projektebene, wenn also das gesamte Websitepostfach gelöscht wird, werden auch die aufbewahrten Elemente gelöscht.

Compliance

Wenn Sie die eDiscovery-Konsole in SharePoint verwenden, können Sie Websitepostfächer in die Compliance-eDiscovery einschließen und Schlüsselwortsuchläufe in Benutzer- oder Websitepostfächern durchführen. Darüber hinaus können Sie ein Websitepostfach der gesetzlichen Aufbewahrungspflicht unterwerfen. Weitere Informationen finden Sie unter Compliance-eDiscovery.

Hinweis

Um ein Websitepostfach in Microsoft 365 oder Office 365 in die gesetzliche Aufbewahrung zu setzen, muss ihm eine Exchange Online (Plan 2)-Lizenz zugewiesen werden. Wenn einem Websitepostfach eine Exchange Online (Plan 1)-Lizenz zugewiesen ist, müssen Sie diesem eine separate Exchange Online-Archivierungslizenz zuweisen, um für dieses die Aufbewahrungspflicht festzulegen.

Sichern und Wiederherstellen

Für die Sicherung und Wiederherstellung der auf dem Postfachserver gespeicherten Exchange-Websitepostfächer werden die gleichen Sicherungs- und Wiederherstellungsmethoden verwendet wie für alle Exchange-Postfächer. Weitere Informationen finden Sie unter Database Availability Groups (DAGs).

Für SharePoint-Dokumente sollten Sie an derselben Stelle sichern und wiederherstellen. Wenn Sie Ihre SharePoint-Inhalte auf denselben URLs wiederherstellen, funktioniert das Websitepostfach weiterhin, und es ist keine andere Konfiguration erforderlich. Wenn Sie eine andere URL wiederherstellen, müssen Sie das Cmdlet Set-SiteMailbox ausführen, um die SharePointURL-Eigenschaft zu aktualisieren. Es empfiehlt sich, SharePoint nicht in einer neuen Gesamtstruktur wiederherzustellen.